Margit Mayerhofer, Fußpflegerin und Kosmetikerin

Ich heiße Margit Mayerhofer, bin 43, verheiratet und Mutter von zwei Jungs, 14 und 17 Jahre alt.

Ich war vor der Geburt meines ersten Sohnes immer angestellt und habe ganz gut verdient. Mit der Geburt meiner Kinder änderte sich mein Leben. Da ich versuchte nach der Karenzzeit, von doch einigen Jahren, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, musste ich merken wie schwierig dieser Einstieg für mich war. Eine Lösung musste her. Ich bekam das Angebot eine Ausbildung über das BFI zur Fußpflege und Kosmetik zu machen, welches ich dankend annahm.

„Es war zwar manchmal schwierig Kinder und Ausbildung unter einen Hut zu bringen, aber ich hielt durch. „

Margit, Fusspflegerin

Da es leider schwierig war irgendwo als Angestellte zu arbeiten, beschloss ich die Befähigungsprüfung in beiden Berufen abzuschließen und in die Selbstständigkeit zu gehen. Auch das Diplom für den diabetischen Fuß konnte ich abschließen. Das war vor knapp 10 Jahren. Jedes Jahr wurde die Termine mehr und mehr, meine E/A Rechnung zeigte immer bessere Zahlen. Endlich konnte ich auch zum Familieneinkommen beitragen. 

Dann der Schock: Kaputtes Knie durch einen von einer anderen Person verursachten schweren Sturz. Ich fiel dadurch einige Monate beruflich aus. Die Berufsausfallsversicherung war bei der Abwicklung eine Katastrophe. Monate vergingen und leider weigerte sich nach dem Krankenstand auch die SVA gegen die Auszahlung des Krankengeldes. Zusätzlich hat mich meine Ausfallsversicherung danach auch gekündigt. 

Ich rappelte mich wieder auf, dann der nächste Schock: Massive Wirbelsäulenprobleme, linkes Bein gelähmt, wieder monatelanger beruflicher Ausfall. Ich habe die schwere Operation überstanden, leider mit bleibender teilweiser Lähmung des Beines aber ich war auf keinen Rollstuhl mehr angewiesen. Es folgten Rehas, ambulant wie stationär, und wieder schaffte ich es halbwegs zurück. 

Zwei Jahre später der nächste Schock: Wieder dasselbe Problem. Das linke Bein war erneut gelähmt. Es folgte eine erneute Operation, durch die ich wieder Monate ausgefallen bin. Aber auch dieses Mal schaffte ich es, obwohl ich mir leider eingestehen musste, dass das Leben immer schwieriger wurde und ich um Begutachtung auf eine eventuelle Behinderung beantragte. Der Schock saß tief als ich erfahren musste, dass diese Einschränkung – ein halbseitig gelähmten Bein – leider mein Leben lang bleiben wird und es keine Aussicht auf Besserung geben wird. 

Und nun war ich offiziell zu 50% dauerhaft körperlich behindert, mit einer Eintragung von Mindererwerbsfähigkeit. Aber ich dachte, dass ich das schon schaffen werde soweit es irgendwie möglich ist und arbeitete 3-4 Stunden täglich. Das hieß für mich zwar nur wenig zum Haushalt beitragen zu können, aber es gab mir wenigstens das Gefühl nicht ganz aus der Gesellschafft ausgeschlossen zu sein. Natürlich schauten auch meine Zahlen bei der E/A Rechnung dementsprechend aus. Ich zog ein Minus mit, aufgrund der hohen Arztkosten und meiner immer wieder krankheitsbedingten Ausfälle. Aber ich schaffte es mein Lebenswerk nicht aufzugeben und dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen. 

„Die Corona-Krise aber traf mich jetzt hart, da ich wieder viele Wochen keinen Umsatz verbuchen werde. Das heißt für mich auch keinen Cent fürs Familieneinkommen beitragen zu können.“

Margit, ratlose Fusspflegerin

Mein Mann ist in Kurzarbeit geschickt worden und von heute auf morgen habe ich einfach kein Einkommen mehr. Leider war auch meine Firmenkonto, aufgrund laufender Kosten und Rechnungen die zu begleichen waren, überzogen. Die vorherigen Krankenstände konnte ich einigermaßen mit dem Krankengeld der SVA abfangen doch jetzt habe ich nichts. Mein Mann bekommt 20% seines Lohnes weniger und meine Bank  wollte mir weder den Überzieher kurzfristig in die Höhe setzen noch mir einen Minikredit gewähren. Also blieb mir nichts anderes über und ich musste privat Geld auftreiben.  

Doch mich plagen starke Existenzängste, da ich nicht abschätzen kann wie es weitergeht. Ich bekomme leider nichts aus dem Härtefond, weder in der ersten noch in der zweiten Phase. Beim Familienhärteausgleichsfond ist unklar ob und wieviel wir bekommen werden. Den Umsatz, den ich bis zum Wiederöffnen machte, ist für immer weg und ein Sprengen meines Überziehers wäre nie passiert. 

Auch jetzt wird es mir nicht möglich sein mehr Stunden zu arbeiten, da meine körperliche Einschränkung ja nicht verschwunden ist. Ich fühle mich sehr zurückgelassen, da ich anscheinend doch ein Mensch, gerade nicht zweiter, sondern letzter Klasse für die Regierung bin. Auch wenn ich es mittlerweile gewohnt bin, dass eine junge Frau mit einem Behindertenausweis und Parkerlaubnis eigenartig angesehen wird solange sie kleine Schritte macht, fühle ich mich gerade richtig minderwertig. Es gibt keine Ersparnisse oder sonstiges, welche mich jetzt noch auffangen könnte und ich fürchte mich doch ein wenig vor der Zukunft, auch wenn ich immer eine Kämpferin war. Doch das ist ein Kampf, bei dem ich befürchte auf ganzer Linie zu verlieren.

Ich weiß meine Geschichte ist lang, aber eventuell versteht man jetzt, welche einzigartigen Schicksale es da draußen gibt, und dass der Spruch „Es wird niemand zurückgelassen, koste was es wolle“ leider für manche nicht zählt. Und leider interessiert das anscheinend auch meine Interessensvertretung wenig.